„PROBLEME ANSPRECHEN, DAMIT BEI DER FEUERWEHR IN ZUKUNFT NICHTS ANBRENNT“

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„PROBLEME ANSPRECHEN, DAMIT BEI DER FEUERWEHR IN ZUKUNFT NICHTS ANBRENNT“

Fürst, Kern, Bingel, Dexheimer

33. Delegiertenversammlung des Kreisfeuerwehrverbandes Rhein-Lahn e. V. in Dachsenhausen

Der Kreisfeuerwehrverband Rhein-Lahn hatte die Delegierten seiner Mitgliedswehren für den 19. November in das Bürgerhaus nach Dachsenhausen eingeladen.

Stellvertretend für den Innenminister des Landes Rheinland Pfalz kam der Landesfeuerwehrinspektor Hans-Peter Plattner. Die Anwesenheit von Otto Fürst, Präsident des Landesfeuerwehrverbandes Rheinland Pfalz, unterstrich die Bedeutung der diesjährigen  Delegiertenversammlung. Fast schon selbstverständlich ist das Erscheinen von Landrat Günter Kern, wenn es um die Feuerwehren im Rhein-Lahn-Kreis geht. Vertreter der in den Kreistag gewählten Parteien und die Vertreter der Kommunen des Kreises wurden zur Eröffnung der Delegiertenversammlung von Gerhard Bingel, dem Vorsitzenden des KFV Rhein-Lahn, begrüßt. Seiner Begrüßung schlossen sich der Ortsbürgermeister und der Wehrführer der gastgebenden Gemeinde Dachsenhausen an.

Die Grußworte der Gäste beinhalteten in diesem Jahr teilweise schon brisante Themen die auf die Feuerwehren zukommen werden. So ließ Landesfeuerwehrinspektor Plattner die Anwesenden wissen, dass Einsparungen in Höhe von 3 Millionen Euro in jedem der beiden folgenden Jahren von der Landesregierung geplant sind. Trotzdem,

dass im Gesetz die Feuerschutzsteuer zweckgebunden für die Feuerwehren verankert ist, liegen schon Vorschläge auf dem Tisch und erste Beratungen wären bereits erfolgt. Dass Einsparungen vorgenommen werden, hätten alle Fraktionen im Landtag bereits beschlossen, so Plattner.

Landrat Kern sprach sich dafür aus, mit Augenmass Entscheidungen zu treffen bei den Neuanschaffungen von Fahrzeugen und Gerät. Mit ihm werde es keine Einsparungen im Bereich Ausbildung bei den Feuerwehren im Kreis in 2012 geben. Zukünftige Aufgaben werden nur mit allen verantwortlichen Kräften in einem gemeinsamen Dialog zu lösen sein, so Kern weiter. Ganz wichtig erscheint ihm der demografische Wandel. Dieses Problem gilt es zu erkennen, denn leistungsfähige Feuerwehren brauchen Frauen und Männer mit der Bereitschaft zum Einsatz für den Nächsten. Die Leistung dieser freiwilligen Helfer, mit einer fundierten Ausbildung und der notwendigen technischen Ausstattung habe sich rückblickend bei
der Havarie des Frachters "Waldhof" auf dem Rhein, bei zwei Zugentgleisungen, einer Bombenentschärfung in Osterspai und bei einer Explosion mit vier Verletzten in einem Industriebetrieb in Diez, hervorragend bewährt.Positiv bewertete der Landrat das Vorhandensein des Gefahrstoffzuges im Kreis.Günter Kerns Worte an die Delegierten fanden trotz ernstzunehmender Lage bei den Feuerwehren mit der Übergabe einer Spende der Sparkassenversicherung in Höhe von 500 Euro an den Kreisfeuerwehrverband doch noch ein gutes Ende.

Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Braubach, Groß, mahnte in seinen Grußworten nicht beim Thema "Sicherheit " zu sparen.

Kreisfeuerwehrinspektor Gerd Grabitzke sieht zukünftig größere Probleme bei der Anzahl der Feuerwehrangehörigen, als bei den Auswirkungen der Einsparungen von je 3 Millionen Euro in den beiden kommenden Jahren.

Auch für den Präsident des Landesfeuerwehrverbandes, Otto Fürst, ist die Abnahme der ehrenamtlichen Tätigkeit ein zentrales Thema in der Zukunft. Dies ist eine Bestätigung der Ausführungen des Landrates Kern und des KFI Grabitzke.
Fürst gab der Versammlung einen Überblick über die vom Landesverband durchgeführten Programme für die Feuerwehren. Unter anderem nannte er Programme für die Jugendfeuerwehren, für Frauen bei der Feuerwehr mit Aufstieg in Führungspositionen, Feuerwehrprogramme in Schulen und Programme für Kommunikation. Er berichtete von Einsparungen seitens des Ministeriums im Geräteprüfdienst. Otto Fürst sprach sich dafür aus, die Politiker sollten nicht über die Feuerschutzsteuer der Bürger verfügen. Deshalb werde der
Feuerwehrverband eine rechtliche Prüfung der Angelegenheit in Erwägung
ziehen.

"Wir dürfen das Thema nicht den Politikern überlassen, wir müssen selbst tätig werden" . Dieser prägnannte Satz war während einer kurzen Einschätzung zu den Einsparungen von Michael Dexheimer zu hören, dem stellvertretenden Vorsitzende des KFV.

Bei allen Vorträgen war eine gespannte Ruhe festzustellen, was zeigte, wie ernst die Lage bei den Themen "Finanzeinsparungen bei der Feuerwehr" und "Demografischer Wandel bei der Feuerwehr", ist.

Laut Tagesordnung schlossen sich die Berichte der einzelnen Fachbereichsleiter jetzt an. Erstmalig trug der Geschäftsführer seinen Bericht in Reimform vor. Ein rhetorischer Genuss für die Zuhörer. Anhaltender Applaus zeigte, dass der Bericht gut bei den Zuhörern angekommen war.

Bei dem TOP "Ehrungen" wurden in diesem Jahr zwei Personen mit Auszeichnungen bedacht. Landrat Günter Kern erhielt die Deutsche Feuerwehrehrenmedaille für die umsichtige und gekonnte Führung aller Einsatzkräfte im Falle der Havarie des Säuretankers "Waldhof" an der Loreley, der in den Medien bundesweit für Aufsehen sorgte.

Das Deutsche Feuerwehrehrenkreuz in Silber wurde dem Kameraden Michael Dexheimer, Wehrführer der Einheit Bogel und stellv. Vorsitzender des KFV Rhein-Lahn für besondere Verdienste um das Feuerwehrwesen verliehen.

Die Neuwahl des Vorstandes unter TOP 6 verlief recht zügig, da im Vorfeld der Delegiertenversammlung alle Vorstandsmitglieder ihre Bereitschaft bekundeten, für weitere fünf Jahre ihre Arbeit fortzusetzen. Nur der Beisitzer der Verbandsgemeinde Nastätten, Daniel Höhne, schied auf eigenen Wunsch aus dem Vorstand aus. Seinen Platz wird künftig der Kamerad Rolf Strobel von der Feuerwehreinheit Nastätten einnehmen.

Der "gute Verlauf" der Versammlung, wie er so oft von Rednern gewünscht wird, kam bei dem TOP "Anträge", unter dem das Thema "Beitragserhöhung" aufgeführt war, ins Stocken. Hatte Otto Fürst zu Beginn der Delegiertenversammlung doch nur von Einsparungen gesprochen, von einer Beitragserhöhung war keine Rede. So kam auch prompt eine Wortmeldung aus der Versammlung in der zum Ausdruck kam, wenn überall gespart werden müsse, dann geht eine  Beitragserhöhung auf keinen Fall. Auch der Vorsitzende Bingel erteilte einer geplanten Beitragserhöhung eine Absage. Landesfeuerwehrinspekteur Plattner unterstützte die vom Landesverband geforderte Beitragserhöhung, über die Höhe wäre jedoch noch zu diskutieren. Präsident Fürst war darauf hin bemüht, der Versammlung durch Erläuterungen die Ausgabensituation des Landesverbandes näher zubringen.
Nachdem bereits wenige Wochen zuvor in der 51. Verbandsversammlung des LFV in Idar Oberstein kritische Fragen zur Arbeit und den Finanzen des Landesverbandes gestellt wurden, war natürlich abzusehen, dass sich diese Hinterfragung bis in die Kreisverbände fortsetzen würde. Gerhard Bingel wusste sogar von Kreisverbänden zu berichten, in denen Überlegungen angestellt werden, den Weg der Führung des Landesverbandes in Zukunft nicht mitzugehen.
Diesen Kreisverbänden warf Fürst eine unsachliche Argumentation vor. Stimmen aus der Versammlung in Dachsenhausen forderten eine Überprüfung der geplanten Beitragserhöhung und zusätzlich auch der Verwaltungskosten. Michael Dexheimer übte keine Kritik an der Arbeit des Landesverbandes, doch sprach er sich für Wahrheit und Klarheit von Seiten des Landesverbandes aus.

Mit der positiven Abstimmung über die Beschlussvorlage des Kreisvorstandes zur Vertagung der Entscheidung einer geplanten Beitragserhöhung, war dieser schwierige Teil des TOP vorerst vom Tisch.

Ebenfalls ein positives Votum der Versammlung erhielt Sven Hofmann von der Feuerwehreinheit Niederneisen für seine Bereitschaft, die Funktion eines Ansprechpartners der Bambinifeuerwehren zu übernehmen.

Abschließend wurden noch Termine und Veranstaltungen für 2012, soweit sie dem Vorstand schon jetzt vorlagen, bekanntgegeben. Mit dem Eingang weiterer Termine beim Vorstand bis zum Jahresende ist noch zu rechnen. Eine komplette Übersicht der Daten wird zu Beginn des Jahres 2012 auf der Internetseite des KFV Rhein-Lahn unter www.kfv-rhein-lahn.de zu finden sein und zusätzlich den örtlichen Wehrführern in schriftlicher Form zugehen.

Bernd Bender, KFV

 

2016-10-14T13:10:06+00:0021. November 2011|0 Kommentare

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